AI Day an der BCS: Ein Tag voller Zukunft, Neugier und Verantwortung
Am 7. November hat die Berlin Cosmopolitan School etwas erlebt, das weit über einen gewöhnlichen Projekttag hinausging: Einen ganzen Tag, der sich vollständig der Zukunft widmete.
40 Expertinnen und Experten aus Technologie, Wissenschaft, Medizin, Industrie und Kreativwirtschaft von der BCS-Eltern Community kamen zusammen, um unseren Grundschulkindern – von der ersten bis zur sechsten Klasse – die faszinierende und komplexe Welt der Künstlichen Intelligenz näherzubringen. In mehr als 60 Workshops verwandelte sich das Schulgebäude in ein lebendiges Labor, in dem Kinder experimentierten, lernten, hinterfragten und staunten.
Warum frühe KI-Bildung unverzichtbar ist
Kinder wachsen heute in einer Welt auf, die an vielen Stellen von KI mitgestaltet wird – ob in Spielen, digitalen Assistenten, Videos, Musikempfehlungen oder beim Recherchieren. Der AI Day stellte deshalb nicht die Frage, ob Kinder KI verstehen können, sondern ob wir warten können, bis sie erwachsen sind.
Die Antwort wurde an diesem Tag deutlich: Kinder sind bereit – intellektuell, emotional und kreativ. Ihre Fragen waren tiefgründig und moralisch: „Wie weiß ein Roboter, ob etwas fair ist?“, „Warum hört KI auf uns?“, „Fühlt eine Maschine etwas, wenn sie traurig aussieht?“ Diese Perspektiven zeigen, warum frühe KI-Bildung nicht nur technisch, sondern vor allem gesellschaftlich wichtig ist.
Neugier und Staunen in den Klassen 1 und 2
Für die jüngeren Kinder standen spielerische Erfahrungen im Vordergrund. Sie lernten, wie leicht KI-Stimmen imitieren kann, indem sie mit einer SpongeBob-KI sprachen, und entdeckten beim Programmieren kleiner Roboter, dass Maschinen zwar Emotionen darstellen, aber nicht fühlen können.
Sie begegneten der Frage, wie viel Energie KI-Systeme verbrauchen, und setzten sich mit der Unterscheidung zwischen echten und künstlich erzeugten Bildern auseinander.
Gleichzeitig erfuhren sie, dass KI zwar beeindruckend kreativ wirken kann, aber stets menschliche Vorstellungskraft braucht. Besonders eindrucksvoll waren Momente der Empathie: In der „Feeling Machine“-Station verglichen Kinder, wie Roboter und Menschen auf Alltagssituationen reagieren würden, und im „Ecosystem Jenga“ wurde deutlich, warum Technologie nie den Blick auf das große Ganze ersetzen kann.
Forschergeist und Kreativität in den Klassen 3 und 4
In den mittleren Jahrgängen rückte das Verständnis dafür in den Mittelpunkt, wie KI funktioniert und warum Kontext so entscheidend ist. Beim Programmieren eines eigenen Tetrix-Spiels ließen Kinder KI Code schreiben, korrigierten Fehler und merkten, dass gutes Prompting ein kreativer Prozess ist. Sie erfuhren, wie KI aus Daten lernt und warum isolierte Informationen keine Bedeutung haben, während verknüpfte Daten ein Bild ergeben.
In kreativen Stationen erfanden sie ungewöhnliche „Remix Rezepte“, entwickelten Lernspiele oder zeichneten ihre eigenen Vorstellungen von KI – ein spielerischer Zugang, der zugleich zu kritischen Fragen führte. In anderen Räumen arbeiteten sie als „Bias Detectives“, entdeckten systematische KI-Fehler oder stellten fest, dass unterschiedliche KI-Modelle auf die gleiche Frage unterschiedlich antworten. Auch der soziale und emotionale Aspekt spielte eine Rolle, etwa wenn Kinder bei der Fairness-Maschine die Entscheidungen eines regelbasierten „Roboters“ mit ihren eigenen verglichen oder bei der Mystery Box erforschten, warum menschliche Sinneserfahrungen unverzichtbar sind.
Verantwortung und kritische Urteilsfähigkeit in den Klassen 5 und 6
Die älteren Grundschulkinder begegneten KI auf einem Niveau, das sich teilweise nah an realen Anwendungen in Forschung, Industrie und Berufswelt bewegt. Sie trainierten ihre eigenen Chatbots und beobachteten, wie präzise oder verzerrt die Antworten wurden – abhängig davon, welche Daten sie einfließen ließen. Ein selbstlernender Roboterarm zeigte ihnen, dass Maschinen nur so gut lernen wie die Beispiele, die Menschen geben, und dass Urteilskraft und Kreativität beim Menschen bleiben. In einer weiteren Station überprüften Kinder Mythen über KI und lernten, was sie heute tatsächlich leisten kann. Beim Erstellen von Avatar-Videos erlebten sie, wie realistisch KI generierte Präsentationen wirken – und diskutierten gleichzeitig die Risiken von Deepfakes und Manipulation. Themen wie KI in der Medizin, Filterblasen in sozialen Medien oder der Umgang mit Informationsüberflutung führten die Kinder direkt an die gesellschaftlichen Fragen heran, die ihre Generation zukünftig prägen werden. Ergänzt wurde dies durch eine Videoanalyse, die verdeutlichte, wie schwer es ist, echte und KI-generierte Aufnahmen zu unterscheiden.
Ein Tag, der zeigt, was möglich wird, wenn wir gemeinsam lernen
Der AI Day war weit mehr als ein gemeinsames Projekt. Er war ein lebendiges Beispiel dafür, was entsteht, wenn Eltern, Lehrkräfte, Expertinnen und Kinder zusammenkommen: ein Lernumfeld, das nicht nur Wissen vermittelt, sondern zum kritischen Denken, Hinterfragen und Mitgestalten einlädt. Die Kinder lernten nicht nur, wie KI funktioniert, sondern auch, wo ihre Grenzen liegen, warum Empathie unersetzlich ist und wie sie sich selbst als verantwortungsvolle Gestalterinnen einer digitalen Zukunft sehen können.
Mit tiefer Dankbarkeit
Unser Dank gilt allen 40 Experten und Expertinnen der BCS-Eltern-Community, die ihre Zeit, ihr Wissen und ihre Leidenschaft in diesen Tag eingebracht haben. Ebenso danken wir den Lehrkräften und dem gesamten Team der BCS, die diesen Tag ermöglicht und begleitet haben. Der AI Day hat uns eines bewusst gemacht: Die Zukunft ist längst da – entscheidend ist, ob wir unseren Kindern die Werkzeuge geben, sie zu verstehen und mitzugestalten.
Fotos ©Claudia Bernhard