Neuntklässler an der Côte d’Azur – Eine Woche wie aus einem Märchen
Das Erste, was uns in Nizza auffiel, war das Licht. Es war anders – weicher, wärmer, es reflektierte gleichzeitig von pastellfarbenen Wänden und dem Meer. Plötzlich kam uns das Französisch, das wir im Unterricht gelernt hatten, nicht mehr wie eine Übung vor. Es fühlte sich wie ein Werkzeug an, das wir tatsächlich brauchten.
In der Altstadt schienen sich die Straßen absichtlich zu winden und zu drehen, als wollten sie uns in die Irre führen – und vielleicht taten wir das auch, ein bisschen zumindest. Aber genau das machte den Reiz der Schatzsuche aus. Hinweise lesen, Passanten um Hilfe bitten, über Missverständnisse lachen – es ging nicht darum, so schnell wie möglich den richtigen Ort zu finden. Es ging darum, zu erkennen, dass wir uns auch in einer anderen Sprache zurechtfinden konnten.
Zwischen Glamour und Stille
In Cannes wirkte alles etwas gepflegter – Palmen standen ordentlich in Reih und Glied, Yachten schaukelten sanft im Hafen. Wir stellten uns vor, wie Filmstars aus schwarzen Autos stiegen und über den roten Teppich schritten, während wir mit Rucksäcken und der Sonne in den Augen an derselben Uferpromenade entlangspazierten. Das brachte uns zum Lächeln – unsere ganz eigene Version von Glamour.
Dann kam die Bootsfahrt zur Île Sainte-Marguerite. Der Motor verstummte, und plötzlich war nur noch das Rauschen des Wassers und des Windes in den Kiefern zu hören. Nach den belebten Straßen, den Stimmen und dem Verkehr fühlte sich die Insel an, als hätte jemand die Lautstärke der Welt heruntergedreht. Wir spazierten unter hohen Bäumen, atmeten den Duft von Harz und Meer ein, und für einen Moment brauchte niemand etwas zu sagen.
Worte, Farben und Mut
Im Musée Marc Chagall schienen die Farben zu schweben. Die Gemälde von Marc Chagall waren voller blauer Himmel, schwebender Figuren und traumhafter Szenen, die gleichzeitig vertraut und geheimnisvoll wirkten. Einige von uns standen da und sahen jeweils etwas anderes.
Die Begegnung mit französischen Schülern war eine ganz andere Herausforderung. Vor dem Sprechen gab es diesen kleinen Moment des Zögerns – Was, wenn ich etwas Falsches sage? Aber dann begann das Gespräch, und plötzlich unterhielten wir uns über Musik, Schule und Wochenendpläne. Nicht perfektes Französisch. Einfach echte Kommunikation. Und das fühlte sich jedes Mal wie ein kleiner Sieg an.
Der Geschmack eines Ortes
Das gemeinsame Kochen brachte eine ganz besondere Energie mit sich. Wir hatten Mehl an den Händen, Tränen in den Augen und viel Spaß beim Zubereiten von Une Trouchia und Une Pissaladière.
Die Rezepte wurden zu Sprachunterricht, und die Küche füllte sich mit Gerüchen, die wir wahrscheinlich immer mit dieser Woche verbinden werden. Das gemeinsame Essen, das wir selbst zubereitet hatten, fühlte sich an, als würden wir ein Stück der Region miteinander teilen.
Mehr als nur eine Reise
Irgendwo zwischen engen Gassen, Bootsfahrten, Museumsräumen und Küchentischen hat sich etwas verändert. Französisch war nicht mehr nur Vokabeln. Es wurde zu Gesprächen, Schildern, Aromen und Erinnerungen.
Wir kommen mit Fotos nach Hause, ja – aber auch mit mehr Selbstvertrauen, neuen Freundschaften und der stillen Erkenntnis, dass die Welt jetzt ein bisschen weniger weit weg ist. Und vielleicht ist das das wichtigste Souvenir von allen.