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Auf Goethes Spuren: Zwischen Sehnsucht, Sturm und Selbstsuche – die 11. Klasse in Weimar

Es gibt Orte, die mehr sind als ein Ziel auf einer Landkarte. Orte, die einen inneren Resonanzraum öffnen – gerade für junge Menschen, die beginnen, sich selbst und die Welt bewusster zu hinterfragen. Weimar ist ein solcher Ort.

Für den Abitur-Deutschkurs und das DP (Diploma Programme) der 11. Klasse der Berlin Cosmopolitan School wurde die Exkursion am 26. und 27. März 2026 genau zu dieser Erfahrung: eine Begegnung mit Literatur, die nicht im Klassenzimmer bleibt, sondern in den eigenen Gedanken weiterwirkt.

Eine Gruppe Schüler und Schülerinnen in Weimar, vor einer Statue
Eine Gruppe Schüler und Schülerinnen in Weimar, vor einem Theater

Wenn äußeres Wetter auf innere Fragen trifft

Regen, Sonne, Hagel – das Wetter zeigte sich so wechselhaft wie die Themen, mit denen sich die Schülerinnen und Schüler beschäftigten.

Fast schien es, als spiegelte die Atmosphäre die innere Bewegung wider, die große Literatur auslösen kann: ein Pendeln zwischen Klarheit und Zweifel, zwischen Aufbruch und Orientierungssuche.

Literatur wird greifbar

In den Häusern von Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller wurde deutlich, dass Literatur immer auch aus konkreten Lebenswelten entsteht.

Räume, in denen gedacht, geschrieben und verworfen wurde, öffnen einen Zugang, der weit über das Lesen hinausgeht.

Für die Schülerinnen und Schüler wurde hier spürbar: Große Ideen entstehen nicht im Abstrakten, sondern im Leben selbst.

Faust: Die Suche als Grundprinzip

Mit dem Besuch der Ausstellung zu Faust. Der Tragödie erster und zweiter Teil vertiefte sich diese Erfahrung.

Im Mittelpunkt stand nicht nur die Analyse von Motiven, Figuren und Sprache, sondern die zentrale Frage, die Faust bis heute so aktuell macht: das unaufhörliche Streben des Menschen nach Erkenntnis – und die Grenzen dieses Strebens.

Gerade im Hinblick auf die eigene Inszenierung am 30. April wurde deutlich, wie sehr Literatur zur Reflexion über das eigene Denken und Handeln einlädt.

Ein Foto des Zimmers von Goethe loading=
Eine Illustration eines Faust Zitates loading=

Werther: Identität im Spannungsfeld

Am Abend führte der Theaterbesuch von Die Leiden des jungen Werthers diese Auseinandersetzung weiter – und übersetzte sie in eine überraschend moderne Bildsprache.

250 Jahre nach seiner Entstehung wurde der Stoff in eine lebendige, musikalisch geprägte Inszenierung überführt, die bewusst mit Kontrasten arbeitete.

Im Zentrum stand Werther als eine Figur auf der Suche nach sich selbst – zwischen Sehnsucht, Intensität und dem Wunsch nach Zugehörigkeit.

Gerade für Jugendliche wurde hier eine zentrale Erfahrung greifbar: Identität ist kein fester Zustand, sondern ein Prozess.

Ein Foto eines Werbeplakates für eine Theateraufführung von "Die Leiden des jungen Werther" loading=

Gemeinschaft und Perspektivwechsel

Ein besonderer Aspekt dieser Exkursion war auch das Miteinander der beiden Deutschkurse.

In der gemeinsamen Erfahrung entstand eine spürbare Verbindung – ein Austausch, der über den Unterricht hinausging und die Schülerinnen und Schüler auch auf persönlicher Ebene zusammenbrachte.

Gleichzeitig wurde immer wieder ein Spannungsfeld sichtbar, das die gesamte Reise durchzog: der Kontrast zwischen historischen und modernen Kontexten. Zwischen den originalen Lebensräumen der Weimarer Klassik und zeitgenössischen Inszenierungen eröffnete sich ein Dialog über die Zeit hinweg.

Literatur erschien nicht als etwas Abgeschlossenes, sondern als etwas, das sich immer wieder neu befragen und interpretieren lässt.

Bildung als Beziehung

Was diese Exkursion so besonders macht, ist nicht nur das Programm, sondern die Qualität der Erfahrung.

Wenn Schülerinnen und Schüler Literatur in Räumen erleben, die Geschichte tragen, und gleichzeitig in Inszenierungen sehen, die Gegenwart schaffen, entsteht eine Verbindung, die nachhaltig wirkt.

An der Berlin Cosmopolitan School verstehen wir Bildung genau so: als Beziehung – zwischen Text und Leben, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Wissen und persönlicher Entwicklung.

Mehr als eine Exkursion

Weimar bleibt nicht einfach ein Ort, den man besucht. Es ist ein Ort, der Fragen stellt.

Und vielleicht ist genau das das Wertvollste, was Bildung leisten kann: Räume zu öffnen, in denen junge Menschen beginnen, ihre eigenen Antworten zu suchen.